Das Projekt Agora Budapest entstand in einem der sich am schnellsten entwickelnden Stadtteile der Hauptstadt – im Zentrum des Büroclusters entlang der Váci út, unmittelbar neben dem Róbert-Károly-Ring und nur wenige Schritte vom Pester Brückenkopf der Árpád-Brücke entfernt. Das Gebiet war unserem Studio bestens vertraut: Bereits Ende der 1990er Jahre planten wir hier das heutige Hauptquartier der ORFK-BRFK. Anfang der 2000er Jahre erhielten wir auf dem benachbarten Grundstück eine Baugenehmigung für ein 100 Meter hohes Hochhaus – das erste Gebäude dieser Höhe in Budapest nach der politischen Wende. Auch das heutige Agora-Grundstück beschäftigte uns kurzzeitig: ein Konzept aus Hochhaus und Handelsflächen als urbanes Subzentrum. Der damalige Investor zog sich jedoch zurück, sodass wir die Planung des Agora-Projekts später auf einem uns bereits vertrauten Standort beginnen konnten.
Die Vorgeschichte des Projekts reicht bis 2015 zurück, als der HBReavis Fund einen Wettbewerb auslobte, aus dem MAKE Architects und unser Studio als Gewinner hervorgingen. Ziel war es, in einem dicht bebauten, teils überfüllten Umfeld ein neues urbanes Zentrum zu schaffen, dessen nach oben strebende Proportionen die funktionale Erneuerung widerspiegeln und zugleich nachhaltige, zeitgenössische architektonische Lösungen bieten. Die vertikale Entwicklung hatte hier eine besondere Bedeutung: Durch die in den Hochhausvolumen konzentrierten Geschossflächen konnte auf Straßenniveau eine rund 5000 m² große urbane Raumstruktur entstehen – ein Netz aus Straßen und Plätzen, ohne das ein Stadtzentrum undenkbar wäre. Eine „Agora“: der lebendige Treffpunkt urbanen Lebens.
Der zentrale Gedanke des Ensembles aus Agora Tower, Agora Hub und den verbindenden öffentlichen Räumen war die Schaffung eines Stadtgefüges, das langfristig die Lebensqualität und das Wohlbefinden der hier arbeitenden Menschen und der lokalen Gemeinschaften verbessert. Neben Büroflächen bietet das Ensemble ein breites Spektrum an Dienstleistungen für die Stadtbewohner: Lebensmittelgeschäfte, Restaurants, Cafés, Fitnessstudio, Friseur, Schönheitssalon, Drogerie und Bankfiliale befinden sich in den unteren Ebenen. Gleichzeitig legten wir großen Wert auf Lösungen, die die Umweltbelastung reduzieren – sei es durch Materialwahl, Betriebskonzept oder räumliche Gestaltung. Ein zentrales Prinzip war die Verlagerung des Autoverkehrs an den Rand, um reine Fußgängerzonen und Plätze zu schaffen.
Der Gebäudekomplex besteht aus drei Baukörpern, die die strenge, monotone Bebauung aufbrechen und zugleich ein weithin sichtbares, zentrales Element bilden, das die Position des neuen urbanen Subzentrums markiert. Die kleineren Volumen fassen den öffentlichen Raum und schaffen geschützte Aufenthaltsbereiche – sie übersetzen die große Dimension des Ensembles in menschlichen Maßstab.
Eine wesentliche Herausforderung bestand darin, das Ensemble in einen stark regulierten städtebaulichen Rahmen einzufügen. Das Thema Hochhaus – in Budapest stets intensiv diskutiert – stellte sowohl planerisch als auch genehmigungsrechtlich eine anspruchsvolle Aufgabe dar. Dennoch ist die Position des Projekts – am Knotenpunkt der Hungária-Ringstraße und der Váci út – ein städtebaulich geeigneter Ort für Hochhäuser, im Einklang mit der Stadtentwicklungskonzeption Budapests. Hochhäuser sind dort sinnvoll, wo die ring-strahlenförmige Stadtstruktur Subzentren bildet – unser Standort erfüllt diese Kriterien vollständig.
Eine weitere Herausforderung war die Notwendigkeit, trotz eines einheitlichen architektonischen Ausdrucks die drei Grundstücksteile separat veräußern, unabhängig entwickeln und phasenweise errichten zu können.
Wir betrachteten es als zentrale Aufgabe, dass die neuen Hochhäuser eine kompositorische Einheit mit den bestehenden markanten Gebäuden der Umgebung bilden (Polizeizentrale, Rentenversicherungsgebäude). Wir modellierten und untersuchten die städtebaulichen Wirkungen aus mehreren prominenten Blickpunkten (Gellértberg, Burgviertel usw.), einschließlich des Hochhauses, das voraussichtlich auf dem Nachbargrundstück der Polizei entstehen wird. Eine interessante Wendung: Auch dieses Hochhaus wird von unserem Büro geplant – damit stammen vier prägende Hochbauten eines der größten Stadtentwicklungsgebiete Budapests aus einer Hand.
Eine besondere Chance bot die zeitgleich begonnene Sanierung der Metrostation. Das ursprüngliche Untergeschoss war nur über zwei enge Treppen mit der Oberfläche verbunden. Unser Vorschlag – von Investor und Stadt akzeptiert – sah vor, die Treppen durch einen großzügigen abgesenkten Platz zu ersetzen, der die Grenze zwischen oben und unten auflöst und die Metrostation auf natürliche, urbane Weise in das Agora-Gefüge integriert. Dies ermöglicht auch den Bewohnern der umliegenden Wohnsiedlungen einen barrierefreien Zugang zur Metro.
Im Rahmen der Investition wurden die umliegenden Straßen erneuert, um trotz höherer Belastung einen reibungslosen Verkehr zu gewährleisten. Die städtischen Radwege wurden verknüpft, im Gebäude entstanden Fahrradumkleiden und Abstellräume. Unter den Dienstleistungen findet sich auch ein Fitnessstudio, das sowohl den Beschäftigten als auch externen Besuchern offensteht.
Um die Mieter umfassend zu unterstützen, bietet der Betreiber bereits ab der ersten Phase Beratung durch Architekten, Innenarchitekten, HR-Experten und Business-Consultants an, um intelligente und produktive Arbeitsumgebungen zu schaffen, die exakt auf die Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten sind.
Die Gebäudesysteme wurden im Sinne eines „Smart Office“ konzipiert: Vom Zugang zum Gebäude bis zur Steuerung von Luft- und Lichtverhältnissen in den Mietflächen ist alles über die vom Betreiber entwickelte App steuerbar.
Das Gebäude erfüllt die modernsten Nachhaltigkeitsstandards (BREEAM Outstanding/Excellent) und erhielt darüber hinaus die WELL-Zertifizierung in Gold. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir in der zweiten Bauphase auch die Kriterien der „Access4you“-Zertifizierung – dem Maßstab für Barrierefreiheit – vollständig in die Planung integrierten.
Die Wasserflächen und intensiven Bepflanzungen des Stadtraums schaffen eine klare funktionale Ordnung und definieren Bereiche für Bewegung, Aufenthalt, Lebendigkeit und Ruhe. Dieser Gedanke setzt sich auf den Dachflächen fort, die wir als „fünfte Fassade“ des Gebäudes betrachteten und mit grünen Inseln und vielfältigen Terrassenlandschaften gestalteten.





