Das Finta és Társai Építész Stúdió erhielt 2018 den Auftrag, im Rahmen der Modernisierung und Erweiterung des gesamten Hungexpo-Geländes ein zeitgemäßes, landmark-artiges Empfangsgebäude zu entwerfen, das unmittelbar an die Ausstellungshallen anschließt.
Das Gelände in Budapest spielt seit 1925 eine bedeutende Rolle: In diesem Jahr wurde die Budapester Internationale Messe ins Leben gerufen, die für die ungarische und internationale Industrie gleichermaßen wichtig war und bis 1992 hier stattfand. Ab 1967 übernahm Hungexpo die Leitung und bot Raum für Fachmessen, Ausstellungen und Konferenzen. Um den technologischen Entwicklungen gerecht zu werden, wurde 2021 ein umfassendes Revitalisierungsprogramm abgeschlossen, in dessen Rahmen die Pavillons erneuert und das neue Empfangsgebäude F1 als zentrales Bauwerk des Kongress- und Ausstellungszentrums realisiert wurde.
Der Auftraggeber wünschte sich ein organisches, zeitgenössisches architektonisches Element, das den eher nüchternen Pavilloncharakter des Geländes ausgleicht und den Ankunftsbereich betont. Neben Konferenzsaal und Ticketing-Funktionen sollte das Gebäude auch die vollständige Büroinfrastruktur des Betriebs sowie die energetische Basis des Messezentrums aufnehmen. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Planung der Besucherströme, sodass das Gebäude auch zwei parallel stattfindende Veranstaltungen problemlos bedienen kann.
Bei der Entwicklung des Konzepts berücksichtigte unser Studio nicht nur die Anforderungen des Auftraggebers und Betreibers, sondern auch die wertvollen, großkronigen Bäume des Parks. Die Analyse der örtlichen Gegebenheiten zeigte, dass die Positionierung des Gebäudes durch drei Hauptachsen bestimmt werden sollte – identisch mit den zentralen Verkehrsrichtungen des Expogeländes. Diese drei Achsen formten zugleich das Bauvolumen und ermöglichten es, die bestehenden Bäume und Baumgruppen zu umgehen und zu erhalten, sodass ein harmonisch eingebettetes Gebäude entstehen konnte.
Das Gebäude zeichnet sich durch klar differenzierbare Bewegungsrichtungen, markante Fokuspunkte und eine symbolträchtige Geometrie aus, die sich aus der komplexen Beziehung zwischen Baumstandorten, Himmelsrichtungen und Besucherströmen ergibt. Die triskelionartige Silhouette – ein uraltes Symbol für Zyklus, Kontinuität, Fortschritt und Beständigkeit – fügt sich hervorragend in dieses Konzept ein. Die glatte, dynamisch geschwungene Fassade und die Licht-Schatten-Effekte der konkaven und konvexen Flächen verleihen dem Gebäude aus jedem Blickwinkel eine andere, lebendige Erscheinung.
Im Inneren befinden sich im Erdgeschoss die Bereiche für den Besucherzutritt (Ticketing) sowie infrastrukturelle Funktionen wie Buffet und Sanitäranlagen. Das Gebäude wurde so konzipiert, dass es auch parallele Veranstaltungen störungsfrei bedienen kann; daher erfolgt der Zutritt über zwei getrennte Punkte. In den beiden oberen Geschossen sind die Büros für den Betrieb sowie ein Konferenzsaal mit 300 Plätzen untergebracht. Im obersten Geschoss, unter der Dachkontur, liegt die gesamte Haustechnik. Im Untergeschoss befinden sich weitere technische Räume sowie das energetische Zentrum, das das gesamte Gelände versorgt.
Die Tragstruktur besteht aus einem äußeren Stahlrahmen und einer durch punktuell gestützte Stahlbetonwände ausgesteiften Flachdeckenkonstruktion. Bei der Konstruktion des Fassadenrasters war es entscheidend, technologisch aufwendige doppelt gekrümmte Fassadenelemente zu vermeiden. Die Fassadenflächen wurden daher mehrfach iteriert – was sich in der präzisen Ausführung des Gebäudes widerspiegelt. Die „Rainscreen“-Fassade ist an ein kompatibles inneres Stahltragwerk befestigt, während die Dachhaut als „Rib-Roof“-System ausgeführt wurde.
Insgesamt entstand ein Gebäude, dessen harmonische Formensprache sich auch im statischen Kräfteverlauf widerspiegelt. Die einzelnen, zunächst unausgewogenen Teilvolumen fügen sich zu einer spannenden, zugleich ausgewogenen Gesamtstruktur zusammen. Die parametrische Planung von Fassade und Tragwerk ermöglichte es, die konventionelle architektonische Formensprache zu verlassen und eine dynamische, vielfältige Architektur zu schaffen, die zugleich rational, klar strukturiert und kosteneffizient ist.



