Revitalisierung des HUNGEXPO Messe- und Veranstaltungszentrums

Planung

2017

Fertigstellung

2021. august

Bruttogeschossfläche

106.000 m² m2

Status

Realisiert

Konzept und Funktion

Unser Studio erhielt 2017 den Auftrag zur umfassenden Revitalisierung des HUNGEXPO-Geländes. Ein zentraler Bestandteil der Investition war die Realisierung eines neuen Kongresszentrums, das das Angebot der Messe Budapest erweitert und in einem industriell geprägten Umfeld kostenbewusst geplant werden musste.

Seit jeher gehört die „Messe“ zu den Grundpfeilern urbanen Lebens: Sie ist zugleich wirtschaftliches Ereignis und öffentlichkeitswirksame Veranstaltung, die den Ruf der gastgebenden Stadt stärkt. Im internationalen Maßstab fungieren große Messen als Aushängeschild des jeweiligen Landes. Das HUNGEXPO ist zugleich ein Aushängeschild Ungarns und Budapests. Einzigartige oder regelmäßig stattfindende Ausstellungen machen den Standort über Jahre hinweg attraktiv – viele Besucher kehren später als Touristen zurück, oft mit ihren Familien. Die Neugestaltung des Gebäudebestands und des Erscheinungsbildes des HUNGEXPO geht weit über gewöhnliche Instandhaltungen hinaus: Für die Hauptstadt besitzt die Messe eine Anziehungskraft, die nicht nur den Besucherfluss, sondern auch die Einnahmen erheblich steigern kann – ganz zu schweigen vom gesamtwirtschaftlichen Nutzen einer lebendigen Messekultur.

Ein klarer Anspruch war die Vereinheitlichung des Erscheinungsbildes der Gebäude bei gleichzeitiger klarer Unterscheidbarkeit. Neben der Fassadengestaltung mussten die Gebäudetechnik und Energieversorgung (Heizung, Kühlung, Lüftung) sowie die Elektrotechnik modernisiert werden. In den Bodenkanälen der Pavillons wurden Leitungen für Stark- und Schwachstrom, Pneumatik, Wasser und Abwasser verlegt. Ein wichtiges Ziel war es, das EXPO-Gelände möglichst „grün“ zu erhalten: Die parkähnliche Einbettung ist ein Alleinstellungsmerkmal unter den ungarischen Veranstaltungsorten. Die Planungen der priorisierten Projekte erfolgten in zwei Phasen, denen umfangreiche Abbrucharbeiten vorausgingen.

Erste Phase

In der ersten Phase entstanden zwei neue Pavillons („E“ und „H“) sowie das Kongresszentrum „CK“, das teilweise den Bestand des Gebäudes „C“ einbezog. Auch dessen visuelle Wirkung wurde grundlegend erneuert. Im östlichen Obergeschoss des Gebäudes „K“ planten wir die neue EXPO-Direktion mit hellen Büros, Besprechungsräumen, Sektionssälen und einem neuen vertikalen Erschließungskern (der später im neuen Gebäude „F1“ realisiert wurde). Im Gebäude „3“ wurde eine moderne Rettungsstation untergebracht; das zugehörige Bürogebäude erhielt eine neue Fassadengestaltung. Das Gebäude „40“ wurde erweitert und beherbergt nun eine neue Großküche mit einer Kapazität von 2000 Portionen für EXPO-Veranstaltungen. Das Heizkraftwerk „HÖKP“ wurde als Wartungsbasis und Hochregallager des HUNGEXPO neu konzipiert.

Zweite Phase

In der zweiten Phase wurden die Ausführungspläne für die neue „A“-Halle erstellt. Das Gebäude sollte die Raumkante der bestehenden Hallen „D“ und „A“ vereinheitlichen und einen großzügigen Passagenraum schaffen. Mit einer Spannweite von 106 Metern, einer lichten Höhe von 12 Metern und einer Ausstellungsfläche von über 20.000 m² hätte die Halle neue Maßstäbe im Messe- und Veranstaltungswesen gesetzt. Das Gebäude wird vorerst nicht realisiert; stattdessen wurde die bestehende „A“-Halle innen und außen vollständig erneuert. Später wurden auch die Pavillons „B“ und „D“ modernisiert.

Auf dem 36 Hektar großen Gelände erfolgte zudem eine umfassende Modernisierung der Außeninfrastruktur, die für die Betriebssicherheit der Messe notwendig war. Trotz strenger Budgetvorgaben und enger Zeitrahmen konnte die Investition ohne wesentliche Abstriche an den ursprünglichen Zielen umgesetzt werden.

Kongresszentrum „CK“

Die Planung des Kongresszentrums begann im Mai 2017. Das Programm sah die Realisierung eines flexibel nutzbaren Komplexes mit Sektion- und Plenarsälen sowie multifunktionalen, zusammenschaltbaren Ausstellungsflächen vor – geeignet für parallele Veranstaltungen, sowohl im Bestands- als auch im Neubau. Ergänzt wurde die Vision durch eine große Dachterrasse mit Grünflächen auf dem bestehenden Gebäude.

Grundlage war die teilweise Beibehaltung der zweischiffigen, kranbaren Hallenstruktur des bestehenden Gebäudes „C“ – deren vollständiger Abbruch wäre finanziell unverhältnismäßig gewesen.

Die Dilatationseinheiten I und II des Bestands wurden erhalten, die Einheit III abgebrochen und an ihrer Stelle die neuen Konferenzfunktionen geschaffen. Die alten TT-Dachplatten mussten ersetzt werden, da sie keine ausreichende Tragreserve für die neuen Dachterrassen- und Außenflächen boten. Das neue Dach mit einer Spannweite von 18 Metern besteht aus FF500-Fertigteilen. Im Kopfgebäude der Einheit I wurden die Geschossdecken teilweise entfernt; die korrodierten Fassadenpaneele mussten aus Sicherheitsgründen vollständig abgetragen werden – der verbleibende Gebäudeteil bestand praktisch nur aus seinem Rohbau. Die neue Fassade wurde als montierte Rib-roof-Konstruktion ausgeführt.

Die Erschließung des Kopfgebäudes erfolgt über die Westfassade, wo durch den Rückbau der Decke ein großzügiges Foyer mit idealen Raumproportionen entstand. Von hier gelangt man sowohl in den Bürotrakt als auch in die erneuerte Hallenfläche, die mittels mobiler Wände in drei Bereiche teilbar ist. Die Hallen – nutzbar als Ausstellungs- oder Veranstaltungsräume – werden durch einen neuen Industrieboden mit integrierten Bodenkanälen sowie durch modernisierte technische Anlagen versorgt. Auch die Grenze zwischen Bestandshalle und dem neu gestalteten, rund 900 m² großen verglasten Atrium ist durch mobile Wände flexibel trennbar. Das Atrium dient als Verteiler-, Registrierungs- und Empfangsbereich und ermöglicht bei parallelen Veranstaltungen eine mehrdirektionale Besucherführung.

Im Erdgeschoss wurden Sektionssäle für 200 und 600 Personen geplant, die mittels halbautomatischer mobiler Wände weiter unterteilbar sind (100 bzw. 200 Personen). Die Säle rahmen einen großen zentralen Bereich, der für Empfänge und Ausstellungen geeignet ist; am Ende dieses Raums steht eine skulpturale Wendeltreppe. Auf der Mezzanine (+7,05 m) entstanden weitere Säle für 150 Personen, ebenfalls teilbar bis 50 Personen. Die Ebenen sind über Rolltreppen, Aufzüge und Treppenhäuser verbunden, die in vier robusten, faserzementverkleideten Kuben untergebracht sind.

Der Plenarsaal auf +16,20 m bietet Platz für 2068 Personen und verfügt über eine Raumhöhe von fast 8 Metern. Seine Tragstruktur besteht aus 6 Meter hohen Wandträgern mit 12 Meter Achsabstand. Die akustischen Oberflächen wurden von einem spezialisierten Akustikplaner modelliert. Der Saal ist einzigartig: Er befindet sich nicht im Erdgeschoss, und seine Bestuhlung kann dank des „Gala Seats“-Systems innerhalb einer Stunde automatisch umkonfiguriert werden. Der Raum ist mittels hochakustischer mobiler Wände in drei Teile teilbar. Die Bühnenrückwand trägt ein rund 78 m² großes LED-Panel. Die gesamte Struktur wird von einem großformatigen Stahlraumtragwerk überspannt, das ausschließlich auf den vier Pilonen ruht. Die daran anschließenden Glasfassaden an der West- und Südseite verleihen dem Gebäude eine leichte, transparente Erscheinung.

Funktionalität und Betrieb

Das Gebäude zeichnet sich durch funktionale Rationalität und hohe Variabilität aus. Die externe Großküche mit 2000 Portionen dient als Catering-Backoffice; dank des internen Servicenetzes kann jede Ebene versorgt werden. Seit der Übergabe hat das Gebäude zahlreiche Veranstaltungen erfolgreich beherbergt und die Tragfähigkeit des Konzepts eindrucksvoll bestätigt.

Galerie

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