Im nördlichen Teil der Altstadt von Ljubljana befand sich in der römischen Zeit der Friedhof der Stadt Emona. Das Projekt Emonika versteht sich als Erbe dieses historischen Kontextes: Der multifunktionale Komplex tritt in einen Dialog mit den historischen Gebäuden und Traditionen und wird zu einem bedeutenden Bestandteil des urbanen Gefüges – als neues Tor zur Innenstadt.
Nach seiner Fertigstellung wird der Komplex 187 Wohneinheiten, zwei Hotels, Büroflächen und ein Einkaufszentrum umfassen, vollständig integriert in den zentralen Verkehrsknotenpunkt Ljubljanas. Das Projekt wird gemäß den BREEAM-Nachhaltigkeitsstandards entwickelt und verfolgt das Ziel, eine inklusive und zukunftsorientierte urbane Umgebung zu schaffen. Die Fertigstellung ist für Ende 2027 vorgesehen.
Seit 2024 ist unser Studio – in enger Zusammenarbeit mit dem slowenischen Büro Elea iC – für die Generalplanung der Bereiche P1 und P3 des Emonika-Projekts verantwortlich. Im Laufe der langen Projektentwicklung waren bereits mehrere Architekturbüros beteiligt; unser Studio stieg zunächst als Fachberater in einen bestehenden Konzeptprozess ein und übernahm später – aufgrund veränderter Rahmenbedingungen – die Rolle des Architekten und Generalplaners.
Der Gebäudekomplex entsteht in einem spannenden architektonischen Umfeld an der Schnittstelle mehrerer Stadtquartiere. Seine Rolle ist in jeder Hinsicht die eines großmaßstäblichen urbanen „Gatemotivs“ und eines markanten Stadtraums. Im Süden grenzt der historische Stadtkern mit bedeutendem architektonischem Erbe, im Norden das durch die Dunajska cesta erschlossene Büroviertel. Das Entwicklungsgebiet wird durch die im Bau befindliche intermodale Verkehrsdrehscheibe geteilt; der neue Bahnhof ist über eine Brücke und einen städtischen Platz direkt mit dem Gebäude P1 verbunden. Aufgrund seiner Größe und Höhe stellt der Komplex eine städtebauliche Entwicklung dar, deren Integration in das Stadtgefüge und die Silhouette zahlreiche architektonische Fragestellungen aufwirft.
Das Gebäude P1 besteht gemäß den städtebaulichen Vorgaben aus einem Podium und einem darauf sitzenden Turm an der Westseite. Durch seine Position tritt der Turm in Dialog mit den benachbarten Hochhäusern und markiert als vertikales Zeichen den Beginn der Innenstadt für Besucher, die aus dem Norden kommen. Das Podium entspricht in seiner Höhe den Gebäuden der Altstadt und reagiert mit seiner Gliederung und Volumetrie auf deren Maßstab.
Um die erforderlichen technischen, logistischen und Parkfunktionen unterzubringen, ist das Gebäude vier Geschosse tief unterkellert. Das Podium entsteht durch die Überlagerung mehrerer Funktionen: In den unteren Ebenen befinden sich Handelsflächen, Restaurants und Unterhaltungseinrichtungen, die sich zu einer von Atrien gegliederten, von oben durch ein Glasdach belichteten Innenpassage öffnen. In den oberen Ebenen mit Außenatrien ist ein großmaßstäbliches, gut ausgestattetes Konferenzhotel vorgesehen. Die Hotelgeschosse staffeln sich zurück und schaffen großzügige Terrassen für Zimmer und Gastronomie. Anders als üblich liegen die Konferenzräume, das Restaurant und die Bar des Hotels über den Zimmergeschossen – im fünften Stock –, wodurch ein attraktiver Dachgarten entsteht, von dem aus die Silhouette der Altstadt und die Burg von Ljubljana sichtbar sind. Der 23-geschossige Turm verfügt über einen eigenen Eingang; in den Geschossen über dem Podium entstehen flexibel nutzbare Büroflächen.
Das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes wird durch den respektvollen Dialog mit seiner Umgebung und seine stadtbildprägende Rolle bestimmt. Die Volumina sind so proportioniert, dass sie mit dem Maßstab der Nachbargebäude harmonieren und auf die Kräfte der angrenzenden Straßen, Plätze und Achsen reagieren. Das Podium ist gestaffelt und durch Rücksprünge gegliedert, während der Turm durch vertikale Nuten optisch verschlankt wird. Den Abschluss des Turms bildet eine geneigte Ebene – eine Geste, die die Silhouette der umliegenden Berge aufgreift.
Die Fassadengestaltung und Materialwahl wurden maßgeblich vom südlich angrenzenden Gebäude beeinflusst, das von Jože Plečnik – dem bedeutendsten Architekten Ljubljanas – entworfen wurde. Das Podium wird von einem vertikal gegliederten, perforierten Metallvorhang umhüllt, dessen Rhythmus vom Fassadenspiel des Nachbargebäudes inspiriert ist. In dieses Spiel fügt sich die Gestaltung der Hotelzimmerfassade ein: Keramikflächen und filigrane Stützen brechen die funktionale Monotonie und folgen dem Rhythmus des Vorhangs. Die Nordseite des Podiums – zum Gleisfeld hin – erhielt aus funktionalen und lärmschutztechnischen Gründen weniger Öffnungen; diese Flächen wurden mit für die Region typischen Ziegelverkleidungen gestaltet und bilden einen massiveren Gegenpol zur leichten südlichen Fassade. Auch hier erscheint das Vorhangmotiv, ergänzt durch grüne Fassadenbänder. Die Glasfassade des Turms wird durch ein „Tanzspiel“ aus Metalllamellen akzentuiert, deren Muster gestisch auf die Altstadt, die Dunajska cesta und die umliegenden Berge verweist.
Die Innenräume des Gebäudes spiegeln die Leichtigkeit, Helligkeit und Klarheit wider, die auch das äußere Erscheinungsbild prägen. Das Podium wird durch eine großmaßstäbliche, geschwungene, von oben belichtete Passage definiert. Die angrenzenden Innenräume fügen sich organisch in diese Geste ein. Terrazzo-Böden, Glaswände und lamellenartige Holzdecken bestimmen die Atmosphäre.
Die Innenarchitektur setzt die architektonische Erzählung fort: klar, elegant und zeitlos, mit Fokus auf hochwertige Materialien und räumliche Leichtigkeit. Die Materialpalette kombiniert terrazzoartige Bodenbeläge, fein gerillte Keramikwandverkleidungen und warmtonige Holzlamellen, die zusammen eine raffinierte und zugleich einladende Stimmung erzeugen. Im Food Court schaffen maßgefertigte Möbel und üppige Begrünung eine menschliche, lebendige Atmosphäre; farbige Sitzmöbel bringen Dynamik und Wärme in den Raum. Im gesamten Einkaufszentrum sorgen individuelle Pflanzinseln – die zugleich als Sitzmöbel dienen – sowie modulare Kioskeinheiten für flexible Handelsmöglichkeiten. Das Gesamtbild ist leicht, lebendig und elegant – eine zeitgenössische, zugleich langlebige Ästhetik.
Ein wesentliches Ziel der Planung war die organische Integration des Gebäudes in die umliegenden Grünflächen und Stadträume. Dachgärten und Terrassen sprechen dieselbe Sprache wie die das Gebäude rahmenden Grünflächen. Die Ostseite des Gebäudes verbindet sich direkt mit dem neuen Bahnhofsvorplatz. Von dort gelangt man über einen künstlichen Hügel – der den Autoverkehr und Fahrradabstellbereiche überdeckt und Amphitheater- und Treppenelemente enthält – zur Terrasse im ersten Obergeschoss; zusätzlich ermöglicht eine Brücke den direkten Zugang vom Bahnhof.
Der Gebäudekomplex Emonika P1 befindet sich derzeit in der Phase des Unterbaus und der parallelen Ausführungsplanung. Die Übergabe ist für 2027 vorgesehen. Die Erwartungen sind hoch – doch wir hoffen, dass das realisierte Gebäude sowohl seine Nutzer als auch die Betreiber und die Bewohner Ljubljanas überzeugt und ein würdiger Bestandteil dieser kulturreichen, wunderschönen Stadt wird.



