Das Finta és Társai Építész Stúdió erhielt 2018 im Rahmen eines öffentlichen Vergabeverfahrens den Auftrag zur Planung des Salesianischen Oratoriums und des Provinzialats.
Die Geschichte der Salesianer reicht weit zurück: Don Bosco (Johannes Bosco), ein italienischer katholischer Priester des 19. Jahrhunderts, gründete 1859 den männlichen Ordenszweig der Salesianischen Gesellschaft. Sein wesentliches Ziel war es, benachteiligten, in schwierigen Verhältnissen lebenden und oft vorbestraften Kindern Unterkunft, Schutz, Nahrung und Bildung zu bieten. Zu diesem Zweck schuf er das Oratorium – ein Gemeinschaftshaus, das auf vier Grundpfeilern beruhte: das Wohnhaus als Ort der Unterkunft, der Hof als Raum für Spiel und Freizeit, die Schule für Bildung und Erziehung sowie die Kirche für religiöse Vertiefung und eine liebevolle Atmosphäre. Die Salesianische Gemeinschaft verbreitete sich rasch weltweit und war bald auch in mehreren ungarischen Städten präsent. Nach 1945 wurde ihre Tätigkeit jedoch durch politische Veränderungen stark eingeschränkt. Nach der politischen Wende begann der Orden erneut mit dem Wiederaufbau seiner ungarischen Einrichtungen. In Óbuda erhielt er ein stark heruntergekommenes Gebäude zurück, neben dem ein bescheidener Kirchenbau, ein Internat und ein Ordenshaus entstanden. 2018 bot eine größere staatliche Förderung schließlich die Möglichkeit, das Oratorium und das Provinzialat neu zu errichten.
Für unser Studio stellte die Planung eine spannende Herausforderung dar, da der Auftrag nicht nur die neuen Gebäude, sondern auch deren erweitertes Umfeld umfasste. Zu unseren Aufgaben gehörten die Neuordnung des L-förmigen Grundstücks an der Bécsi út und der Kiscelli utca sowie die Klärung der Grundstücksverhältnisse. Das Oratorium dient den Freizeitaktivitäten der Kinder, während das Provinzialat als Bürogebäude fungiert und auch den Verlag des Ordens beherbergt. Zu Beginn der Planung waren die regulatorischen Rahmenbedingungen bereits festgelegt; nach dem Abriss der alten Gebäude konnten die neuen Räume geschaffen und die Trennung von Auto- und Fußgängerverkehr im Block umgesetzt werden. Auch die beiden Sportplätze und die inneren Grünflächen wurden neu konzipiert, da sie sowohl den täglichen Nachmittagsprogrammen als auch den Sommerlagern als wichtige Freizeitbereiche dienen.
Die Kontur des neuen Oratoriums war im Wesentlichen durch den Bebauungsplan vorgegeben. Unser Auftrag bestand darin, ein Gebäude zu schaffen, das die Programme der Jugendlichen unterstützt und sie zum kreativen Arbeiten, Spielen und Lernen motiviert. Beim Betreten des Hauses öffnet sich ein mehrgeschossiger, übersichtlicher Raum mit großem Atrium, der mit dem beliebtesten Bereich des Erdgeschosses verbunden ist: dem „Bar“-Raum, einem Gemeinschaftsbereich mit Küche und Lagerflächen. Dieser Raum kann bei Bedarf vom Atrium getrennt werden. Die große Glasfassade des Atriums lässt sich über die gesamte Länge zum Hof hin öffnen. Ein weiterer zentraler Bestandteil des Gebäudes ist der teilbare Saal für 150 Personen. Darüber hinaus entstanden kleinere Gruppenräume, Räume für Religionsunterricht, Bastelkurse, Mutter-Kind-Treffen und weitere Funktionen sowie Teeküchen und Sanitärbereiche. Im Dachgeschoss befinden sich ein Sportraum, Büros und die haustechnischen Anlagen.
Das Provinzialat schließt den Innenhof, der von der bestehenden Kirche, dem Ordenshaus und der Kapelle umgeben ist, und schafft zugleich funktionale Verbindungen zwischen den Gebäudeflügeln. Im Untergeschoss befinden sich der Speisesaal und Lagerflächen, im Erdgeschoss Besprechungsräume und Serviceräume. Die Büros liegen im Obergeschoss, mit dem Büro des Provinzials im Gelenkpunkt des Gebäudes.
Insgesamt entstand ein gut funktionierender Gebäudekomplex, der nicht nur die sinnvolle Freizeitgestaltung und ungestörte Entwicklung der Jugendlichen unterstützt, sondern auch in den „ungenutzten“ Zeitfenstern der salesianischen Programme als hervorragender Veranstaltungsort dient – für Hochzeiten, Teambuildings, Sportaktivitäten und andere Ereignisse. Damit fungiert die Anlage zugleich als vielseitiges Gemeinschaftshaus.


